Ein Poet zu Besuch auf Burg Wäscherschloss Raubvogelfedern als Souvernir

Der Dichter Eduard Mörike besuchte im August 1867 mit seiner Familie Burg Wäscherschloss. Im Innenhof fand seine jüngste Tochter ein besonderes Souvenir – eine Raubvogelfeder. Vermutlich handelte es sich dabei um die Feder eines Falken. Noch heute nisten Turmfalken auf der Stauferburg.

Porträt von Eduard Mörike

Eduard Mörike war Pfarrer, Lehrer und Autor.

ERHOLUNG IN LORCH

1867 zog Eduard Mörike zusammen mit seiner Frau Margarethe von Speeth nach Lorch. Der Pfarrer, Lehrer und Autor war kurz zuvor in den Ruhestand versetzt worden. Das „Bauern-Städtchen“ mit seinem berühmten Kloster war ideal zur Erholung: „Das Lorcher Klima tut uns beiden sehr gut.“ Die Töchter des Paars, Fanny (* 1855) und Marie (* 1857), blieben bei Mörikes Schwester in Stuttgart. Von Lorch aus unternahm Mörike einige Ausflüge – das nahegelegene Wäscherschloss besuchte er gleich zweimal.

Burg Wäscherschloss

Hoch über dem Beutental.

FAMILIENAUSFLUG ZUM WÄSCHERSCHLOSS

Der Besuchstipp kam von Mörikes Freund Karl Wolff: „Versäume nicht einen Gang auf das Wäscherschlößchen, der Hof ist noch aus der Zeit, ehe die Staufen kaiserlich wurden.“ Im August wanderte Mörike daher mit Frau und Kindern sowie weiteren Ausflüglern zur Burg Wäscherschloss. Ihr Weg führte sie von Lorch durch das Beutental, „ein herrliches, wildes, von 3 Mühlen besetztes Thälchen“. Es ist ein angenehmes Wirtshaus dort, der Wäscherhof, mit der prächtigen Aussicht auf den Rechberg, Stauffen u. s. w.“

Burg Wäscherschloss; Foto: Vermögen und Bau, Amt Schwäbisch Gmünd

Der Innenhof der Burganlage lädt zum Besuch ein.

DIE FEDER EINES RAUBVOGELS

Die Familie war vom Ausflugsziel ganz angetan: „Vom Schlößchen konnten wir uns Abends kaum losreißen. Die Kinder, denen man den schuldigen historischen Respekt davor nach Kräften beibrachte (sie hatten theilweis in der Schule schon etwas von den Hohenstauffen gehört) nahmen allerhand Andenken mit.“ Als besondere Erinnerungsstück war darunter eine Raubvogelfeder, die „von meiner Kleinen im Gras des Schloßhofs aufgelesen“ wurde. Vermutlich handelte es sich dabei um die Feder eines Turmfalken.

Bis heute bietet Burg Wäscherschloss für Turmfalken einen idealen Lebensraum.

TURMFALKEN AUF BURG WÄSCHERSCHLOSS

Falkenfedern findet man auch heute im Hof des Wäscherschlosses. Jedes Jahr beziehen die Raubvögel ein Nest unter dem Dachvorsprung und brüten hier ihren Nachwuchs aus. Die Ankunft der erwachsenen Vögel lässt sich früh im Jahr beobachten. Die Jungfalken schlüpfen Ende Mai – dann hört man ihre Schreie im Hof der Stauferburg. Im Juni und Juli trainieren die unternehmungslustigen Jungvögel ihre Flugtechnik ‒ und nutzen die Mauern und Vorsprünge der Stauferburg als Start- und Landebahnen.